Spielen an der Schleppleine – „no go“ oder „no problem“?

Egal ob als Besitzer eines Junghundes mit temporärem „Schleppleinenknast“ oder Halter eines Hundes, der aus anderen Gründen häufig an der Schleppleine läuft – manchmal kommt doch die Frage auf, ob und wie viel Hundekontakt an der Schleppleine zugelassen werden sollte.

Hundekontakt an der Leine

Viele Menschen möchten generell, dass ihr Hund an der Leine keinen direkten Kontakt zu anderen Hunden hat. Diese Vorgehensweise kann sehr sinnvoll sein und zwar aus mehreren Gründen.

Zum einen fühlen sich viele – auch grundsätzlich verträgliche – Hunde an einer kurzen Leine häufig sehr eingeschränkt, sie wissen, dass sie angeleint im Zweifelsfall nicht viel Abstand gewinnen können. Sie sind also in ihren Möglichkeiten der innerartlichen Kommunikation etwas eingeschränkter – um sie dieser möglicherweise unangenehmen Lage nicht auszusetzen, vermeiden viele Hundehalter den Kontakt an der Leine gänzlich.

Ein weiterer Grund ist, dass es bei zwei sich an der Leine begrüßenden Hunden schwierig ist aufzupassen, dass Mensch und Tier sich nicht im Leinengewirr verheddern.

Bei manchen Mensch-Hund-Teams kann das Führen an der Leine auch für den Hund das Signal zum „arbeiten“ sein, d.h. er soll sich in diesem Moment ganz auf den Menschen konzentrieren und auf Reize aus der Umwelt möglichst nicht reagieren.

Abgesehen davon gibt es natürlich auch gute Gründe, warum ein Hund überhaupt an der Leine läuft und – momentan oder generell – keinen Kontakt zu (fremden) Artgenossen haben soll: Sei es, weil man sich gerade neben einer Hauptstraße befindet, sei es, weil der Hund unverträglich ist, sei es, weil der Hund krank ist oder Schmerzen hat.

Vor der Kontaktaufnahme zweier angeleinter Hunde, sollten sich die Halter in jedem Fall absprechen, ob ein „Hallo sagen“ gewünscht und sinnvoll ist.

Mitten in der vollen U-Bahn z.B. ist es nicht sinnvoll, die Hunde „nur mal schnuppern“ zu lassen – weder können sie bei Interesse anschließend miteinander spielen, noch gibt es bei Antipathie die Möglichkeit, ausreichend Abstand zu gewinnen. In solchen Situationen ist es gut, wenn die Hunde gelernt haben, dass nicht jeder Artgenosse begrüßt werden muss und dass es Momente gibt, in denen man trotz Anwesenheit anderer Hunde bei seinem Besitzer bleiben muss.

Schleppleine – Leine oder Freilaufsimulation?

Wie sieht es aber nun an der Schleppleine aus? In der Regel ist es ja so, dass  nur überall dort, wo ein Hund normalerweise auch Freilauf haben könnte, die Anwendung der Schleppleine Sinn macht. Schließlich soll die Schleppleine in vielen Fällen den Freilauf simulieren, ein Trainings- oder Managementinstrument darstellen, für Hunde, die in einer bestimmten Situation oder Umgebung keinen vollständigen Freilauf genießen können. Also z.B. jagdinteressierte Hunde im Wald oder der klassische Junghund, der beim Spaziergang im Park gerne Menschen anspringt.

Natürlich kann es aber auch sein, dass z.B. eine läufige Hündin mittels Schleppleine gesichert wird, oder etwa ein Hund, der Artgenossen nicht besonders mag.

Entsprechen empfiehlt es sich auch bei einem Hund, der an der Schleppleine läuft, nachzufragen, ob Kontakt okay ist – wenn nicht der Halter schon entsprechendes signalisiert.

Sind beide Parteien einverstanden, spricht ansonsten grundsätzlich nichts gegen den Kontakt an der Schleppleine.

Verletzungsrisiko Schleppleine

Es sollte aber bedacht werden, dass die Schleppleine ein Verletzungsrisiko darstellen kann, auch für den Hund, der frei läuft. So kann sich die Schleppleine z.B. um einen Lauf des anderen Hundes oder die Beine eines Menschen wickeln und Hund und Mensch behindern oder sogar zu Fall bringen.

Auch mit den flexiblen und nicht so leicht verknotbaren Biothane-Leinen kann es passieren, dass sich die Schleppleine irgendwo verhakt und den Schleppleinenträger in seiner Bewegung einschränkt, er sich daraufhin erschreckt und das mit dem anderen anwesenden Hund verknüpft.

Gerade ältere Hunde tun sich teilweise auch schwer, über eine „fremde“ Schleppleine drüberzusteigen, sind aber gleichzeitig evtl. nicht mehr so gut zu Fuß, so dass sie schnell zu Fall gebracht werden können.

Manche Welpen und Junghunde wiederum finden es witzig, mit der fremden Schleppleine fangen oder zergeln zu spielen – dieses sollte aus Sicherheitsgründen unterbunden werden.

Insgesamt zeigt sich, dass der Hundekontakt an der Schleppleine – gerade auch noch bei mehreren Schleppleinenträgern – sehr gut beobachtet werden sollte. Gegen ruhiges Begrüßen spricht sehr wenig – ein wildes Rennspiel mit mehreren Schleppleine tragenden Hunden kann durchaus sehr gefährlich werden, wenn sich z.B. die Leine um das Bein eines anderen Hundes wickelt und dort mit hoher Geschwindigkeit hängenbleibt.

Generell sollte – um das Verletzungsrisiko an der Schleppleine zu minimieren – die Leine immer nur an einem gut sitzenden Brustgeschirr befestigt werden.

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